Archiv für die Kategorie ‘Poesie’

haamat

Dienstag, 31. August 2010

von Wolfgang Sebastian Baur (geboren in Toblach, Schriftsteller, Dichter und Schauspieler, lebt in Berlin)

haamat

haamat haamat

i siich de foor mier

wi wenn i de

traamat


du pisch nou dou

af n glaichn flekk

i dowerrnt

pin wait wekk


poll i de traam

siich i de kloor

pin i pa dier

pische et woor


suich i de

noa gschpier i de

unt fint i de

folier i de


gschpier i de et

sem muis e rearn

soug weart dess

nie ondorscht wearn?


Audio haamat

heimat // heimat daheim / ich seh dich vor mir / als ob ich / dich träum // du bist noch da / am gleichen fleck / ich hingegen / bin weit weg // wenn ich dich träum / seh ich dich klar / bin ich bei dir / bist du nicht wahr // such ich dich / so spür ich dich / und find ich dich / verlier ich dich // spür ich dich nicht / so muss ich weinen / sag wird das / nie anders sein?

aus dem Gedichtband in olla forrbm liewe / in allen farben liebe. Liebesgedichte, erotische Texte und Lieder in Pustertaler Mundart und Hochdeutsch. Edition Goiapui Berlin 2009, im Buchhandel erhältlich.

Lied von der Deutschen Leitkultur

Dienstag, 17. August 2010

Selma Mahlknechts Lied wirft ein grelles Schlaglicht auf die Negativauswüchse kulturellen Zusammenlebens in einem Land, das in den letzten Jahrzehnten tief greifende Veränderungen erfahren hat und dem weitere Umwälzungen bevorstehen.

Lied von der Deutschen Leitkultur

Jo, insre daitsche Leitkultur, de isch ins liab und wert –

Und des, wos do dahintersteckt, isch bollamol derklärt. (weiterlesen…)

Nichts ist wahr – Geschluckte Lügen

Dienstag, 10. August 2010

Wenn nichts mehr wahr ist und sich die allerletzten Gewissheiten als Lügen entlarven, dann erweist sich die letzte wahre Lüge eines Narren als einzig rettender Strohhalm.

Eine Wahrheit ganz nach “Hamlet” von Shakespeare   in einem Gedicht von Eva Kuen anschaulich und imposant “aufgespießt”.

Nichts ist wahr

Geschluckte Lügen


Nichts ist wahr

von alldem

was man dir erzählt

von all den Gedanken

die der Welt

im Magen liegen

ist der des Narren

der einzige den

du von Anfang

bis zum Ende hin

ohne Umweg

kauen kannst

wie eine Sommerfrucht

Seidenband umschlungen

hängt er friedlich

über deiner Nase

darunter nichts als Lügen

die verrucht

zum Himmel stinken

du schweigst

weil dir die Worte

auf die Lunge drücken

oder schreist durch

die Gedärme dich

in einen Darmverschluss

den keiner hört

sterben wird daran

nur eine Schnitte

deiner Milz

die verloren in

der Suppe treibt

in den Venen

kocht das Blut

und probt

beherzt Revolution

das Herz schlägt

sich tapfer gegen

Aderlass des Denkens

doch nur die Leber

über die grad leis

ein falsches Lachen kriecht

schert sich was darum

dein Hirn hat sich

die Narrenkappe aufgesetzt

und schweigt

Eva Kuen ist Schauspielerin, Musikerin,  Tänzerin und schreibt eigene Stücke und Lieder (Herrenbesuch: Nicht hinauslehnen – ne pas se pencher au dehors; Ruckedigu, Blut ist im Schuh)

ein hoch

Freitag, 11. Juni 2010

die zivilisation schiebt sich weiter  nach oben,

unaufhaltsam in die gipfelnähe,

dort wo gelegentlich frei und sauerstoffarm geatmet wird.

den niederungen der alltage entflohen

steht man dann

nicht gerade einsam dort auf dem gipfel,

nach gewohnten glücksgefühlen kramend,

die sich nicht entzünden wollen

am furiosen glühen den sonnenuntergangs .

was noch bleibt,

von stöckelbeschuhten becamcordert

und im sammelsmsgewitter?

es bleibt noch der rückzug in den vorzeitigen abstieg.